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Butterfly Chair Hardoys

Feb 29 2016

Ein Sessel wie Hardoys Butterfly Chair, der es unter die Klassiker des Sitzens und in die permanente Ausstellung  des MoMA (Museum of Modern Art, New York) geschafft hat, ist einzigartig. Der Butterfly Chair auch als AA Chair bzw. Fledermaus-Sessel, bzw. Hardoy Chair oder BKF Chair bekannt und gehört zu den populärsten Sesseln der Möbel-Geschichte.  Die Wurzeln des Butterfly Chairs reichen zurück ins 19. Jhd. und zum genialen Faltstuhl Tripolina des Engl. Ingenieurs Joseph Fenby, welcher diesen Sessel für die Armeen der Welt als bequeme Ruhestätte geschaffen hatte.
Von dessen Geometrie war der Butterfly Chair Ferrari.Hardoys (weshalb der Butterfly Chair oft auch als Hardoy Chair bezeichnet wird)  direkt abgeleitet, wie der Argentinier Ferrari-Hardoy später auch freizügig eingestand. Der Fenby Chair, wie der Tripolina Sessel, der Vorgänger des Butterfly Chairs oft auch bezeichnet wird, liess sich im Handumdrehen aufstellen und abbrechen und war ein grosser kommerzieller Erfolg, wie dies auch dem späteren Butterfly Chair Hardoy beschert sein sollte.
Des Butterfly Chairs 1. Variante des Sessels, also der Vorgänger des Butterfly Chairs, war also der Campingstuhl von 1880 Joseph B. Fenbys. dessen Holz-Gestell mit Stahl-Beschlägen auf dem Prinzip des Pantographen beruhte, einem grunclegenden Prinzip, das auch im Butterfly Chair noch ablesbar ist, wenn auch nicht mehr funktionstüchtig (die Zusammenklappbarkeit).
1938 schliesslich fand der Tripolina Sessel im vom Argentinier Ferrary-Hardoy entworfenen Butterfly Chair seinen Nachfolger. Jener arbeitete damals in Paris unter Le Corbusier an dessen südamerikanischen Städtebau-Projekten, zusammen mit den Architekten Bonet und Kurchian aus Argentinien und Katalonien (= Bonet, Kurchian, Ferarri  = BKF). Nach kurzem Aufenthalt in Paris kehrten die 3 spanisch-sprechenden Architekten nach Bueons Aires zurück und gründeten das argentinischen Städtbau- und Architektur-Büro ”Austral Group”. Für die eigenen Büro-Räumlichkeiten liessen sie einige Prototypen des Butterfly Chairs herstellen, bei einem Polo-Ausrüster in Buenos Aires aus edlem Sattelleder. Ebenfalls möblierte der Grupo Austral mit dem Butterfly Chair ihr erstes Apartment-Haus in Buenos Aires und wenig später erhielt des Butterfly Chair anlässlich des dritten ”Salon de Artistas Decoradores”, einer lokalen Innenarchitektur-Ausstellung in Buenos Aires, einen Auszeichnung. Er kam in die Presse und wurde prompt vom damaligen Kurator des MoMA in New York, Edgar Kaufmann Jr. entdeckt. Dieser erwarb 3 Exemplare des Sessels Butterfly Chair von Hardoy und spielte einen davon dem berühmten Frank Lloyd Wright zu, der den Sessel im Hause Kaufmanns Eltern, dem berühmten ”House Fallingwater”, einsetzte.  Der Butterfly Chair steht nebst dem Butterfly Chair mit dunkler Lederhusse bis zum heutigen Tage neben dem Kamin. Den anderen Sessel spendierte Kaufmann Jr. dem MoMA, dessen Industrie-Design-Abteilung er leitete und von nun an sollte der Butterfly Chair in der permanenten Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) stehen.
1947 bemühte sich Hans Knoll  von Knoll Associates um die Lizenz des Sessels von Hardoy, die er prompt erhielt. Der Butterfly Chair ging mit dem Code Knoll 197A in das Sortiment Knolls ein, welche einige Jahre zuvor mit Jens Risoms Risom Lounge Chair bereits einen grossen Erfolg gelandet hatte. Später baute Hans Knoll zusammen mit seiner Frau Florence Knoll das Möbel-Imperium Knoll International auf, als der Butterfly Chair schon lange nicht mehr zum Sortiment zählen sollte:
denn Knoll verlor anfangs der 1950er-Jahre einen Prozess gegen  Nachahmer des Butterfly Chairs. Ein Gericht entschied damals, dass der Butterfly Chair Hardoys keine eigenständige gestalterische Höhe auswiese, da ja bereits Fenbys Tripolina Chair seit 1880 existierte und der Butterfly auf diesem aufbaue. Knoll stellte daraufhin die Produktion des Butterfly Chairs ein. Daraufhin florierten die Kopien des Butterfly Chairs in allen denkbaren Abwandlungen, mit transparentem PVC-Bezug Jeans-Stoff und fast immer veränderten Geometrien des Gestells. Mittlerweile dürften über 70 Mio. Stück des Butterfly Chairs hergestellt worden sein, der ja ursprünglich durch den Architekten Hardoy als edle Variante mit Kernleder-Bezug konzipiert worden war. Ende der 1990er Jahre besannen sich einige kleine Hersteller auf die Original-Version des Sessels Butterfly Chairs zurück, darunter die 3 deutschen Firmen Manufaktur Plus (M+), Weinbaum und HomeatDesign. Aus Dänemark liegt die Variante des Butterfly Chairs unter dem Namen Mariposa Chair oder Mariposa Sesselvor (Mariposa bedeutet auf spanisch ja nichts andere als Butterfly, bzw. Schmetterling). Letztes Jahr beging der Butterfly  Chair dann ein schier unglaubliches 75-Jahr MoMA-Jubiläum, für welches diverse Sonder-Editionen des Butterfly Chairs aufgelegt worden sind. Mittlerweile liegen von Butterfly Sessel Varianten der Husse in Fell (Pony), Kernleder, Sattel-Leder und Stoff vor, wobei speziell wetterfeste Stoffe wie Acryl dem Butterfly Chair bestens stehen, da diese auch wetterfest sind und den Butterfly Chair so im Handumdrehen zum Garten-Sessel machen.
So hat sich der Butterfly Chair über die Zeit gewandelt und ist trotzdem immer der genial einfach konstruierte Sessel mit der unkonventionellen Sitz-Position geblieben. Und so erfreut sich der Butterfly Chair heute grösserer Beliebtheit als je. Neu ist der Butterfly Chair nebst der klassischen Variante in Sattelleder (natur, ohne Wasser-abweisende Imprägnierung und UV-Schutz) auch in Blank-Leder und Neck-Leder verfügbar. Das Blank-Leder des Butterfly Chair-Bezuges ist dick und kompakt, es gewinnt durch zunehemnde Benutzung des Sessels an Geschmeidigkeit. Der Neckleder-Bezug des Butterfly Chairs hingegen stammt aus dem faltigen Nackenteil der Rinderhaut und ist dadurch stark genarbt und fast schaumig in der Konsistenz. Beide Bezüge des Hardoy Chairs passen perfekt zum schwarz lackierten Gestell des Butterfly Chairs, der in der Freiluft-Variante übrigens auch mit einem Gestell aus geschliffenem Edelstahl verfügbar ist, das den Butterfly Chair zum 100% allwettertauglichen Sessel macht.