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Butterfly Chair Hardoy BKF

Jul 12 2018

Hardoys Butterfly Chair BKF, auch als Sling Chair bzw. Hardoy Chair benannt beziehungsweise dem Akronym BKF, schuldet seinen Ruhm weitgehend einem amerikanischen Design-Sammler und Enthusiast, dem Sohn eines Kaufhaus-Tycoons aus dem Nordosten der USA, Edgar Kaufmann Jr.. Seines Zeichens Direktor (genauer Industrial Design Kurator) der Abteilung Design am Museum of Modern Art (MoMA) in New York, wurde er durch einen Artikel in einer argentinischen Architektur-Zeitschrift auf den Sessel Butterfly bzw. BKF, wie er damals genannt worden war, aufmerksam. Der Artikel handelte von 3 argentinischen Architekten, welche gleichen Jahres, 1940, als Teil der gemeinsamen Gruppe “Grupo Austral” ihren Sessel anlässlich einer Ausstellung in Buenos Aires vorgestellt hatten. Die 3 jungen Architekten hatten zuvor bei Le Corbusier in Paris dessen Städtebau-Projekte für Südamerika betreut und waren über diesen in dessen Büro miteinander in Kontakt geraten. Wieder in Ihrer Heimat zurück arbeiteten sie nun im Sinn und Geist des grossen Meisters, wobei als Nebenprodukt Ihrer Tätigkeit der Butterfly Chair resultierte, den Le Corbusier selber später ebenfalls zu Probe sass und davon, also dem Butterfly Chair, begeistert gewesen sein soll. Der Entwurf dieses stupend simplen und preiswert zu fertigenden, gleichwohl wunderbar leichten und simplen Entwurfes beeindruckte Kaufmann sehr und so kaufte er sich 3 Stück BKF Sessel, wie der Butterfly Chair auch genannt wurde davon auf eigene Kosten – wobei die Kosten bei Kaufman das kleinste Problem gewesn sein dürften, war sein Vater der jener Kaufmann, der einen direkten Draht zu Frank Lloyd Wright pflegte und sich von diesem die ikonische Villa Fallingwater, dem Wochenendhaus der Familie) bauen liess. Daher war nichts nahe liegender, als einen der 3 Sessel ebendort neben dem Kamin zu postieren, wo dieser Butterfly Sessel bis auf den heutigen Tag steht. Einen weiteren spendiert er der eigenen Abteilung, dem Department Industrial Design des MoMa in New York, wo jener Sessel ebenfalls überlebt hat und bis auf den heutigen Tag dort für die Besucher des Museum of Modern Art ausgestellt ist. Der dritte von Edgar Kaufmann Jr. importierte Butterfly Sessel ist leider verschollen. Der Hardoy Sessel (benannt nach dem Grupo Austral-Mitglied Jorge Ferrari Hardoy, dem eigentlichen Urheber des Sessels) jedoch war nicht ohne Vorgänger und Vorgeschichte, was dessen weiteres Schicksal bis auf den heutigen Tag entscheidend prägen sollte. Der Butterfly Chair leitete sich vom Tripolina Sessel ab, welcher um 1877 patentiert worden war und aus einem faltbaren Holzgestell besten, das in Windeseile sich eine einen dazu passenden Sack verstauen liess und so den idealen Feldsessel hergab. Tripolina war der Sessel darum benannt, weil das italienische Militär den Tripolina Chair in seiner damalige Kolonie Abessinien (rund um Tripolis, d.h. im Gebiet des heutigen Libyen) einsetzte. Dessen Erfinder der englische Ingenieur und Erfinder Beverly Fenby patentierte den Tripolina Chair also im Jahr 1877; den Entwurf dazu hatte er rund 20 Jahre früher gemacht, nämlich Mitte des 19.Jahrhunderts. Und sogar Fenby selber liess sich aller Wahrscheinlichkeit nach von noch früheren Entwürfen inspirieren (z.B. dem Triped/ Tripod oder Jägersitz), führte dessen Struktur aber wohl erstmals in eine 3-dimensional faltbare Struktur über. Bruce Hannah beispielsweise, ein Professor für Industriedesign an der renommierten Designschule Pratt Institute in New York meint beispielsweise, dass der Kern des Tripolina Chairs hunderte Jahre alt sei dürfte. Zuerst sicherte sich der kleine Möbelhersteller Artek Pascoe (Artek-Pascoe, Inc., New York, NY) aus New York, dessen Eigner mit Edgar Kaufman befreundet war, die Verwertungsrechte am Butterfly Chair. Artek Pascoe war ursprünglich die amerikanisch Präsenz der von Alvar Aalto gegründeten finnischen Firma Artek. Die amerikanische Dependance geht zurück auf eine Initiative Harmon H. Goldstones aus dem Jahr 1937, einem jungen Architekt, der Artek ein Jahr zuvor in Finnland besucht hatte. Im Anschluss formte er seine eigene Firma, Artek Pascoe, zusammen mit seinen Partnern Wallace Harrison und Lawrence Rockefeller in New York, als Importfirma der epochalen finnischen Birkenmöbel des Alvar Aalto, die unter dem Arten-Label liefen. Anfangs der 1940er-Jahre eröffnete Clifford N. Pascoe seinen New Yorker Schauraum und eigene Herstellungs-Fazilitäten im amerikanischen Wisconsin. Die beiden Firmen schlossen sich in der Folge zusammen, um schlagkräftiger aufzutreten und nahmen den BKF Butterfly Chair auf. Im Krieg musste aber Artek-Pascoe unter der Regierung Kriegsproduktion übernehmen. Ende des Krieges wurde die Zusammenarbeit aufgekündigt, Pascoe stellte die Möbel aber weiter in teils absurd abgeänderter Form für das amerikanische Publikum her, um diese weniger radikal wirken zu lassen. Zm Schluss ging Artek gegen Pasche vor und verbot diesem alle Modelle von Alva Aalto herzustellen. Nach dem Krieg schliesslich eignete sich diese Verwertungsrechte am Butterfly Chair Hans Knoll an, dessen Frau Florence Knoll eine unheimlich gute Nase für alle potentiell wertvollen und potentiellen Designs hatte. Dies war 1947 und Hans Knoll startete mit dem Butterfly Chair Hardoys, welcher bei Knoll unter der Nummer 198 lief, geradewegs durch. Der Butterfly Sessel brach mit allen Regeln des anständigen Sitzens und der Zeit und mit dem Aufbau traditioneller Sessel, welche gefälligst zu manierlicher und aufrechter Postur anhielten. Der eingehängte Sack in Schmetterlingsform erinnerte strukturell eher an die Lasser-Faire-Haltung von Müssiggängern und den Typus der Hängematte bzw. den Idealen eines Robinson Crusoe. Er forderte die Normen anständigen Benehmens zuhause heraus. Darin mag einer der Gründe für seinen Erfolg gelegen haben, ein anderer war sicher sein günstiger Aufbau und die Eignung als Aussen- und Innen-Sessel (vorausgesetzt man fertigte das Gestell aus Edelstahl, damit die wetterfest war. Junge Familien waren wild auf den Butterfly Chair und kauften diesen in Massen – gemäss einer Schätzung wurden alleine in den 1950er-Jahren rund 5 Millionen davon abgesetzt. Nun, die Schätzung stammte von Hans Knoll, und leider stammten die wenigsten davon aus seinem Hause, obwohl er die Exklusivrechte besass. Dies wurmte ihn und obwohl im sein Anwalt davon abriet strengte er einen Prozess gegen die Nachahmer des Butterfly Chairs auf dem Markt an. Doch weil dieser wegen des Tripolina Chairs nicht absolut neu war, wurde dem Butterfly Chair durch den Richter das Urheberrecht versgt und so verlor Knoll definitiv die Hoheit über den berühmten, beleibtesten und meistgebauten Sessel des 20. Jahrhunderts. Ab nun durfte jeder der einen Schweissbrenner, ein paar Metallstangen und ein Segeltuch im Hinterhof mit Faden und Nadel den Sessel nach Gusto herstellen und abändern – mit den kuriosesten Resultaten. Der Butterfly Chair BKF war das wohl demokratischste und trendigste Möbel, das es je gegeben hat und eines, das vom Architektur-Professor bis zum Woodstock-Rebellen ausnahmslos alle in seinen Bann zog. Unzählige Post und Blogs im Internet sind Zeuge dieses Phänomens. Und so ist der Butterfly Chair BKF von Hardoy in die Annalen der Designgeschichte und Kunsthistorie eingegangen und begeistert die Leute bis auf den heutigen Tag. Bei Archetypen ist der Butterfly Chair in seinen seltenen Original-Massen aus der Prototypen-Produktion des Jahres 1938 vorhanden. Damals war dieser aus dem ungefärbten Sattelleder hergestellt worden, mit schwarzem Rahmen. Dieser kann als der Original-Butterfly Chair referenziert werden. Bei Fragen zum Butterfly Chair oder zu dessen Varianten zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren: gerne sind wir von Archetypen jederzeit für Sie da. unter der E-Mail-Adresse info@ Archetypen.ch oder unter der Telefonnummer 079 232 90 22. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung zum Butterfly Chair, einer der ganz grossen Ikonen des 20. Jahrhunderts. Nebst der Varianten mit Sattelleder ist der BKF Butterlfy Chair von Ferrari-Hardoy übrigens auch mit einem Bezug aus Segeltuch und ebensolchem aus Baumwolle erhältlich, oder aus Fell, welches dem Sessel eine speziell archaische Note verleiht. Die Segeltücher für den BKF sind in vielen Farben erhältlich, die Felle sind natürlich immer Unikate und jedes ist unterschiedlich gefleckt. Das Gestell des Butterfly Sessels BKF ist auch in Edelstahl geschliffen verfügbar, dann ist es wetterfest und wirkt technischer, drinnen tritt es mehr in der Vordergrund, als das schwarz lackierte Standard-Gestell des BKF. Der Butterfly Chair von Manufaktur Plus, welche den BKF nach Original-Spezifikationen des ursprünglichen Entwurfes aus dem Jahr 1938 herstellt, besteht in der Summe aus zwei einfachen in sich geschlossenen und einmal geknickten Schlaufen, die spiegelverkehrt und leicht überdeckend an 4 Punkten zusammengeschweisst werden. die 4 unteren Enden der beiden Schlaufen bilden die 4 Füsse des Butterfly Chairs, welche zugegebenermassen bei der Original-Geometrie etwas spitz udn agressiv wirken – deshalb empfehlen wir, den BKF Sling Chair drinnen auf einen Berberteppich oder sonst einen Hochflor-Teppich zu stellen, um diese tendenziell aggressive Form der Dreiecke der Beine entsprechend zu entschärfen. auf die 4 oebogenen Enden mit grösserem Radien werden die 4 Ohren bzw. Taschen des Bezugs aufgesteckt. Dies ist mit 2 Handbewegungen getan und genauso schnell lassen sich diese wieder abziehen, wenn z.B. im Sommer in Regenschauer vorüberzieht, D.h. im Fall des Butterfly Chairs muss kein Sessel verstaut werden, sondern sollte nur die Housse abgenommen werden, um Verschmutzung am Bezug zu verhindert. Ist das filigrane gleichwohl äusserst stabile Gestell aus rostfreiem Stahl gefertigt, dann kann dieses sogar zum Überwintern einfach im Garten stehen gelassen werden – es kann nicht und wird nicht rosten. Es lädt dann im Frühjahr mit der ersten Sonne zum wohligen Entspannen im Garten ein. Und will man das Gestell des Butterfly Chairs trotzdem verräumen, so lassen sich leicht mindestens 2 der BKF Gestelle aus der Feder Hardoy ineinander stapeln. Mehr sind möglich, allerdings muss man dann aufpassen, dass kein zu starker Druck auf die Gestelle kommt und diese dann unter der erhöhten Reibung am Lack Schaden nehmen. Die Lackschicht in schwarz des Butterfly Chairs ist übrigens pulverbeschichtet, welche zu den robustesten Lackier-Methoden zählt, die je entwickelt worden sind. So kommt der Butterly Chair mit dem richtigen Material (Edelstahl) und dem besten udn wetterfestesten Finish (pulverlack) genau richtig, um als Allwettersessel im Sommer auf der Terrasse oder auf die Veranda und im Winter drinnen zu begeistern. Als Schmankerl lassen sich die günstigeren Acryl- und Baumwoll-Hussen im Sommer draussen verwenden und im Winter durch die dickeren und für den Innenraum edleren Lederhoussen austauschen – Die Acryl- oder Baumwoll-Houssen können unterdessen fein säuberlich und superkompakt zusammengelegt und verstaut werden. Gerne senden wir Ihnen Muster unserer Houssen aus Leder und diverser Stoffe inklusive der Farbauswahl zu, damit sie sich zuhause ein Bild von diesen machen können. Bei Fragen zum BKF Butterfly Chair zögern Sie bitte nicht, uns zu kontaktieren. Gerne sind wir jeden Tag, auch am Wochenende, von 8:oo Uhr bis 20:oo Uhr mit Rat und Tat für Sie da. Archetypen hat sich ausschliesslich zeitloser Möbel angenommen und der Butterfly Sessel fällt ganz klar in diese Kategorie. Der Hersteller Knoll hat den Butterfly Chair BKF übrigens zu dessen 80. Geburtstag diese Jahr (2018) anlässlich der Mailänder Möbelmesse im April nochmals herausgebracht. Die limitierte Spezialserie des Butterfly Chairs BKF war ja damals im Jahr 1938 konzipiert worden, gleiche Jahres war ja auch die Firma Knoll selber gegründet worden. Hans Knoll, der Gründer von Knoll International, erwarb die Rechte am Butterfly Chair 1947 und brachte diesen mit extremem Erfolg zwischen den Jahre 1947 und 1951 heraus. Bereits 1937 hatten die 3 Architekten Antonio Bonet, Juan Kurchan und Jorge Ferrari-Hardoy sich in Paris im Atelier von Le Corbusier getroffen und in der Folge den Butterfly Chair entworfen. Hardoy nahm sich des Klassikers, dem Tripolina Sessel, an und transformierte diesen Holz-Sessel mit Gelenken aus Stahl in eine neue Form – seinen Butterfly Chair. Der Butterfly Chair verkörpert alle Attribute eines archetypischen Entwurfes: der BKF – teils auch mit dem Akronym BFC abgekürzt… ist zugleich Indoor- und Outdoor-Möbel und verfügt über eine klar geschiedene Struktur: der aussteifende Rahmen und das eingehängte Tuch, das sich jederzeit abnehmen lässt. So tritt die Anatomie des Objektes klarer und sinnfälliger zu Tage als bei irgendeinem anderen Möbel. Im weiteren die körperbezogene Qualität des Entwurfes (Ergonomie); die beiden geknickten Spangen, die zur Struktur verschweisst werden spannen zwischen ihren 4 Ecken (welche sich in den 4 Beinen spiegeln) ein Feld auf, in welches der Bezug mit seinen 4 Ecktaschen eingehängt wird. Dieses Feld ähnelt dem einer Hängematte, ist aber eher aufgespreizt, als z.B. einer traditionellen Hängematte und inspiriert sich so eher bei einer Hängematte mit Spreizstäben, dem neueren Typus der Hängematte. Der so eingehängte Bezug des Butterfly Chairs nimmt in seiner leicht taillierten Form den Körper schön auf und erinnert mit seiner gekreuzt organischen Form an die Erscheinung eines Rohleders eines Rindes, welches z.B. für die Kennzeichnung von Echtleder auch als Piktogramm verwendet wird. Im weiteren trägt der Materialmix zur klassischen Erscheinung des Butterfly Chairs bei: einerseits der weiche Bezug, der entweder aus Stoff oder Leder gefertigt ist; andererseits das strenge fast kristallin-scharfe Untergestell aus Stahl. Am schönsten haben sich folgende Materialkombinationen herausgestellt: naturfarbiges, unbehandeltes Kernleder, das unter UV-Exposition abdunkelt, in Kombination mit einem schwarzen Untergestell des Butterfly Chairs. Oder ein schwarzes Untergestell mit weissem oder leicht ecru-farbenem Stoffbezug. Neu ist der BFC ja auch als Schaukelstuhl-Variante (Rocker) erhältlich. Hier gewinnt er in dieser Hinsicht zusätzlich, weil er nun mit den Holzkufen einen materiellen Dreiklang entwickelt (filigranes Metall-Gestell, Eiffel-Base, plus eingehängter bequemer Stoff- oder Leder-Bezug, plus längsgerichtete Holzkufen. In dieser Variante knüpft der Butterfly Rocker an andere Klassiker wie z.B. den Eames Lounge Chair von Herman Miller (schwarzes Leder, Holzschale, polierte Aluminiumteile, an. Dreiklänge gibt es auch materiell, nicht nur symphonisch. In der materiellen Welt ist die Form die Melodie, der Takt die Proportion und vielleicht das Instrument selbst und sein Timbre die Farbe und das Material. Nebst des Butterfly Chair Rocker führen wir ja auch den Butterfly Chair Lounger und den Butterfly Armlounge Chair (Butterfly Lounge Armchair) im Sortiment. Allesamt extrem bequeme und gleichzeitig zeitlos reduzierte Ruhe-Sessel von ganz eigener Qualität, wie bereits beim Butterfly Chair uneingeschränkt für den Aussen- wie den Innen-Bereich geeignet. Und auch diese Lounge Chair-Adaptionen des Butterfly Chairs sind jeweils wieder mit den lagen eleganten Holz-Kufen des Butterfly Chair Rockers verfügbar für ein maximales Moment an Entspannung. Der Butterfly Chair trifft wie kaum ein anderer Sessel den archetypischen Kern seiner Gattung: mit minimalen Mitteln schafft er maximalen Nutzen und glänzt durch eine schier endlos scheinende Anpassungsfähigkeit und Wandelbarkeit entlang der ganzen Spannbreite zwischen trashy und edel. So weiss der Butterfly Chair auch nach 80 Jahren den Betrachter durch seine geniale Simplizität in den Bann zu schlagen; kaum je jemand hat den BFC nicht gut gefunden. Einst bei Artek Pascoe in NEw York angesiedelt (ab 1941 während der Kriegszeit in den USA, in den Jahren von 1941 bis 1947), danach 4 Jahre bei Knoll International zu Hause (1947-1951) und danach wohl in beinahe jedem Hinterhof auf diesem Planeten hergestellt, wo ein Schweissbrenner und ein paar Metallstangen herumstanden, ist er nun zurückgekehrt in seine nächste Entwicklungsschlaufe. Und es ist uns eine Ehre, dass es in unseren Schoss gefallen ist, seine Geschichte fortschreiben zu dürfen, die nun schon über eineinhalb Jahrhunderte andauert und deren Ende noch überhaupt nicht absehbar ist. Denn dies ist die ultimative Lehre aus dem Studium archetypischer Objekte, dem ich mich die letzten 10 Jahre bis zur Erschöpfung gewidmet habe (mit dem Aufbau der Klassiker-Plattform Archetypen.ch in der Schweiz, welche z.B. weltbekannte Marken wie Carl Hansen oder Fritz Hansen umfasste): Grossartige Entwürfe sind selten das Resultat eines Egotrips eines genialen Gestalters, sondern vielmehr fast immer sukzessive Weiterentwicklungen, bei denen sich Gestalter nachfolgender Generationen die Klinke in die Hand geben: so war es beim Stuhl 811 (der aus dem 214er Thonets heraus entstand und seine Weiterentwicklung im Stuhl Silver Magistrettis für DePadova fand, so war es auch beim Safari Chair Kaare Klints für Carl Hansen, der aus dem Moretta und ursprünglich dem Roorkhee Sessel des indischen Armeekorps der Briten im 19. Jahrhundert resultierte, welches sich seinerseits an den Charpoy-Betten der Inder und Pakistani inspirierte, welche dort als Möbelstücke einen schier kulturtragenden Stellenwert haben. Und so war es auch beim Wishbone Chair, Hans J, Wegners wohl wichtigstem Stuhl-Emtwurf für Carl Hansen, der eine Melange aus chinesischen Hufeisen-Stuhl der Kaiser der Ming-Periode und dem Sprossenstuhl der amerikanischen Shaker darstellt. Oder dessen nicht weniger betörenden Schaukelstuhl J16, in welchem er die grossartige Tradition der amerikanischen Shaker-Community, welche in der Südstaaten-Veranden-Romantik mündete, für die Moderne läutert. Oder schliesslich nebst des Butterfly Chairs auch beim Folding Chair, welcher durch den einfachen seitlichen Klappstuhl-Mechanismus schliesslich zum Regisseurs-Stuhl mutierte. Unzählig sind die Beispiele sequentieller Entwicklung, bei der die endgültigen und archetypischen Formen eines Entwurfes durch mehrere, teils unzählige Hände gegangen sind; mal unbekannte Meister ihres Faches, mal bekannte Gestalter. Und selten sind jene Beispiele, bei denen dies nicht der Fall gewesen war wie beim BKF Haroys, wie etwa Michael Thonets revolutionären Stühlen 214 und 209, oder dessen Schaukelstühlen Nr. 1 und 7500, oder beim Lounge Chair der Eames, welche die aufgenommene Typologien (englischer Klubsessel) komplett neu erfanden und mit neuen Mitteln reinterpretierten, wie z.B. auch Corays Landi-Stuhl. Aber schon die Aluminium Chairs der Eames gründen z.B. auf Matthsons Stuhl-Entwürfen der 1940er-Jahre und Swedeses heutigem Sortiment. Und auch Le Corbisers legendäre LC4-Liege ist letzten Endes nichts anderes als eine (geniale) Reinterpretation des Thonet Liegeschauklers Nr. 7500, neu halt mit fixem Untergestell.